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Solidarität mit Menschen in Not - Bitte um Weiterleitung!

Landesbezirk NRW

Hilfe für Geflüchtete in Bihac wird unter Strafe gestellt

Wir wollten euch an dieser Stelle auf die Zustände in einem Sani-Zelt des Flüchtlingslagers im Ort Bihac, Bosnien aufmerksam machen und euch um Spenden und euren persönlichen Einsatz bitten. Nun hat sich die Lage aber weiter verschlimmert: Das Sani-Zelt gibt es nicht mehr. Einfache Unterstützungen werden kriminalisiert und unter Strafe gestellt. Trotzdem und gerade deshalb möchten wir euch informieren und euch aufmerksam machen auf eine Geschichte, die unsere Kolleginnen und Kollegen des Personalrats des Uniklinikums Essen im August vor Ort erlebt haben und auf deren Schilderungen der nachfolgende Bericht beruht:

Aufmerksam auf die Zustände in Bihac wurde ver.di über eine Anfrage des freien WDR-Journalisten Dirk Planert aus Dortmund. Nach seiner Anfrage gingen die Kolleg*innen für eine knappe Woche nach Bosnien, um den Menschen vor Ort im Sani-Zelt zu helfen. Planert ist weiterhin persönlich in Bihac und berichtet auf Facebook über seine Erlebnisse. Er kümmert sich seit der Eröffnung des bosnischen Lagers um die notdürftige medizinische Grundversorgung. Unterstützt wird er dabei von einigen ehrenamtlichen Helfer*innen.

Bihac liegt 2 km von der kroatischen Grenze entfernt und somit nicht mehr innerhalb der Europäischen Union. Tausende Flüchtlinge, die hauptsächlich über die ‚Balkanroute‘ kommen, sitzen dort fest. Die zwei bestehenden Lager sind bereits seit Jahren überfüllt, weshalb die Stadt Bihac bereits Anfang Juni 2019 entschieden hat, rund 1000 Flüchtlinge auf eine ehemalige Mülldeponie, circa 10 Kilometer außerhalb des Ortes zu bringen. Dies geschah auch unter Einsatz körperlicher Gewalt. Bei dem Lager handelt es sich nicht um ein offizielles Lager. Bekannt sind die Umstände vor Ort der (deutschen) Öffentlichkeit durch Reportagen (u.a. ARD, Spiegel Online und der TAZ) aber trotzdem. Und das Lager existiert weiterhin. Es gibt dort keinen Strom, kein fließendes Wasser, nur eine Handvoll Toiletten für knapp 1000 Menschen und keinerlei offizielle medizinische Versorgung. Die Menschen schlafen in Massenquartieren, teils auf dem blanken Boden.

Täglich versuchen die Geflüchteten aus diesen Zuständen über die grüne Grenze in die EU zu kommen. Dabei werden sie von der kroatischen Polizei aufgespürt, ihnen werden Ausweise, Handys, Geld und Schuhe – um ihnen den erneuten Grenzübergang durch die Wälder zu erschweren – abgenommen und sie werden zurück auf die bosnische Seite geprügelt. Diese sogenannten Push-backs sind illegal, durchgeführt werden sie trotzdem. Viele der Menschen besitzen nun nur noch die Kleidung, die sie am Leib tragen, da alles andere konfisziert wurde. Diese Zustände sind gerade mit Blick auf den nahenden Winter in den bosnischen Bergen lebensbedrohlich.

Die Kolleginnen und Kollegen haben in den letzten Wochen bereits von ihren Erfahrungen in Bosnien berichtet und um Spenden sowie Unterstützung vor Ort gebeten. Da das Sani-Zelt nicht mehr existiert, möchten wir euch zumindest darauf aufmerksam machen, was in Bihac – stellvertretend für viele andere Orte, an denen Geflüchtete aufgehalten und an denen ihnen Hilfe verweigert wird – passiert. Das Team aus selbstorganisierten, unbezahlten und ehrenamtlichen Helfenden darf das Sani-Zelt nicht mehr aufrechterhalten. Ein Teil von ihnen musste das Land verlassen und eine Strafe wegen illegaler Arbeitsaufnahme zahlen. Die Menschen im Lager werden nur noch zwei Mal die Woche notdürftig versorgt.

Diese Zustände hinterlassen uns sprachlos und voller Sorge, um die Menschen in Bihac und an vielen anderen Orten. Trotz aller Sprachlosigkeit muss trotzdem weiterhin berichtet und aufgeklärt werden. Das möchten wir hiermit unterstützen:

Weitere Informationen findet ihr auf der Facebook-Seite von Dirk Planert und auf Balkanstories.net:

Für Hintergrundinformationen zu der Situation vor Ort und Fragen zu Unterstützungsmöglichkeiten könnt ihr euch an die Kollegin Alexandra Willer (stellvertretende VL-Sprecherin und PR-Vorsitzende UK Essen) wenden:

Per Mail: Alexandra.Willer@gmx.de

Geflüchtete in Bihac - menschenunwürdige Zustände in bosnischem Lager Dirk Planert Geflüchtete in Bihac