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Verhandlungsergebnis erreicht - Zustimmung von 81 Prozent

Fachbereich Verkehr

Tarifabschluss in der Luftsicherheit (AHS)

AHS am Flughafen Düsseldorf ver.di AHS

Immer und immer wieder haben wir die AHS in den letzten Monaten zu Tarifverhandlungen aufgefordert, nachdem das Unternehmen den Tarifabschluss aus Januar 2020 nicht unterschrieben hatte. Doch all die netten Worte, Mails und Briefe zeigten keine Wirkung. Auch die von AHS verlorenen Gerichtsverfahren führten zu keiner Einsicht. Erst als wir gemeinsam in den Streik gezogen sind und die Auswirkungen immer größer wurden, schalteten sich die Anteilseigner der AHS in den Tarifkonflikt ein. Im Anschluss daran folgte endlich eine Verhandlungsbereitschaft seitens AHS. Dieser Teilerfolg war all den Streikenden in DUS zu verdanken, die in einer schwierigen Lage großen Mut bewiesen haben. Ohne euch wären wir nicht wieder an den Verhandlungstisch gekommen!

Anders als in den Verhandlungen zuvor zeigte AHS dieses Mal schnell, dass sie bereit ist, auf uns zuzugehen. Dennoch waren die letzten beiden Verhandlungstage alles andere als einfach. AHS legte vor und in diesen Verhandlungen Vorschläge und Bedingungen auf den Tisch, die wir mit aller Kraft abwehren mussten: Ein Tarifabschluss ohne Vergütungserhöhungen, eine Absenkung der Arbeitsstunden, eine Laufzeit des Tarifvertrages bis zum 31.12.2023 oder der Wegfall finanzieller Wertschätzung von langjährig Beschäftigten in der VG 3 waren Forderungen der Arbeitgeberseite. All diese Punkte konnten wir erfolgreich abweisen.Bis zuletzt mussten wir starke Nerven behalten und haben uns dann Schritt für Schritt am gestrigen Verhandlungstag angenähert. Auch der Abbruch der Verhandlungen mit weiteren Streiks in den Sommerferien aufgrund zu weit entfernter Vorstellungen stand dabei mehrfach im Raum. Zum Ende des Tages hat sicher dieses (Horror-)Szenario AHS zum Einlenken gebracht. Nach der harten Auseinandersetzung in der schwersten Krise der Luftfahrt sind wir froh, dass wir gestern folgendes Verhandlungsergebnis erzielen konnten.

Mit diesem Ergebnis konnten wir trotz Corona-Krise und noch ungewisser Zukunftsprognosen für den Winter und dem kommenden Jahr die Lohnsteigerungen des "Vor-Corona-Ergebnisses“, wenn auch in zwei Schritten, sichern. Weiterhin vorgesehen ist eine besondere Wertschätzung mit entsprechend hoher Lohnsteigerung für langjährige Beschäftigte (nach acht Jahren in der VG 3) durch die Einführung der VG 3.4. Damit trotzdem ein Abstand zur VG 4.1 besteht, wurde auch hier nochmal die Lohnerhöhung nach oben angepasst. Der Tarifvertrag läuft vom 01.01.2020 bis 31.10.2022. Die erste, größere Stundenlohnerhöhung erfolgt noch in diesem Sommer am 01.07.2021, die zweite am 01.04.2022. Mit dem Verhandlungsergebnis verpflichtet sich AHS spätestens ab 01.10.2022 mit uns über einen neuen Vergütungstarifvertrag zu verhandeln. Ab 01.11.2022 wären wir dazu wieder streikfähig. Unabhängig davon können wir auch vorab den Manteltarifvertrag kündigen und darüber (finanzielle) Verbesserungen erreichen und wenn nötig erstreiken.

Mit AHS haben wir uns darauf verständigt, dass der Tarifvertrag ihrerseits bis Ende dieser Woche unterschrieben wird. Die Unterschriften seitens ver.di folgen nach Ablauf des Mitgliederentscheids mit positivem Ergebnis. Zu guter Letzt beinhaltet das Ergebnis auch ein Maßregelungsverbot. Eine übliche Regelung, um Nachteile sämtlicher Art seitens des Unternehmens für Streikende auszuschließen. Die Tarifkommission empfiehlt euch einstimmig die Annahme des Verhandlungsergebnisses. Wir sehen das Ergebnis als ersten Schritt in die richtige Richtung, in Richtung Aufwertung der AHS-Jobs. Leider ist es nicht das Ergebnis und der große Schritt, den wir mit dem Ergebnis aus Januar 2020 gemacht hätten. Dazwischen und noch immer läuft jedoch die härteste Krise der Branche, das jetzige Niveau der Sommerferien kann wahrscheinlich nicht über die nächsten Monate gehalten werden. Sinkende Passagier- und Flugzahlen und Kurzarbeit werden wahrscheinlich wieder folgen. Mit diesem Ergebnis würden wir jedoch mit gesteigerten Löhnen in diese (Kurzarbeits-)Winterphase gehen. Das Ergebnis ist ein Kompromiss in schwierigen Zeiten, aber er gibt uns allen wieder mehr Sicherheit. Unser Tarifvertrag und damit die Löhne für unsere ver.di Mitglieder wären wieder rechtssicher. Vor diesem Hintergrund sprechen wir euch die Empfehlung zur Annahme aus.

Mitte Juli endete unsere Mitgliederbefragung zum erzielten AHS Verhandlungsergebnis. 81,0% der ver.di Mitglieder haben sich für die Annahme des Ergebnisses ausgesprochen. Vielen Dank für die Teilnahme an der Befragung, wir freuen uns über die hohe Zustimmung. Dem Tarifabschluss steht nun nichts mehr im Wege.
AHS hat die Tarifverträge bereits unterschrieben. Nach dem positiven Votum der Mitglieder wird ver.di ihre Unterschriften nun unter die Tarifverträge setzen.

Wie geht es jetzt weiter?

Noch in diesem Jahr werden wir als Tarifkommission planen, wie wir unsere Aktivitäten zur Aufwertung der AHS-Jobs im nächsten Jahr fortsetzen. Wir werden die Kolleginnen und Kollegen dabei selbstverständlich weiterhin eng beteiligen und einbinden. Wir haben weiterhin viel vor. Dieser Tarifabschluss war nur ein kleiner Schritt. Deshalb lasst uns weiterhin stark in ver.di zusammenhalten, damit wir auch die nächsten Tarifverhandlungen mit Erfolgen abschließen können, so wie es uns die Kolleginnen und Kollegen der Luftsicherheit vorgemacht haben. Sie sind zu 95% in ver.di organisiert und haben innerhalb weniger Jahre ihre Löhne mehr als verdoppelt. Unsere Löhne sind auch mit dem Ergebnis noch immer deutlich zu niedrig, unsere Arbeitsbedingungen stark verbesserungswürdig. An beiden Themen wollen wir nächstes Jahr konkret weiterarbeiten und mehr erreichen, wenn ihr uns weiterhin als ver.di Mitglieder den Rücken
dafür stärkt. Denn diesen Weg können wir nur gemeinsam mit ver.di gehen.

Ein Bericht der Tarifkommissionen der Flughäfen Köln-Bonn und Leverkusen.

Bei Rückfragen:

Marvin Reschinsky - marvin.reschinsky@verdi.de - zuständiger Gewerkschaftssekretär