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Befristung war gestern

Interview Uwe David, Betriebsratsvorsitzender der Rheinbahn:

Befristung war gestern

Betriebsratsvorsitzender Uwe David Jörg Junkermann Betriebsratsvorsitzender Uwe David

In immer mehr Unternehmen ist die „sachgrundlose Befristung“ als Arbeitsverhältnis schon fast zu Normalfall geworden. Mit dramatischen Folgen für die Beschäftigten. Sie befinden sich zum Teil über Jahre in dem ungesicherten Zustand, von heute auf morgen ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Beim Nahverkehrsunternehmen Rheinbahn in Düsseldorf haben sich nun Arbeitgeber, Betriebsrat und ver.di darauf verständigt, diese unsägliche Praxis zu beenden. Ein Gespräch mit dem Betriebsratsvorsitzenden der Rheinbahn, Uwe David.

Seit Oktober2015 gibt es bei der Rheinbahn keine sachgrundlose Befristung der Arbeitsverhältnisse mehr. Wie ist es zu diesem Erfolg gekommen?

Uwe David: In unserem Unternehmen war es über Jahre üblich, neu eingestellte Fahrerinnen und Fahrer zunächst zwei Jahre befristet einzustellen. Das war nichts anderes als eine verlängerte Probezeit, mit der verbundenen Unsicherheit für die Beschäftigten. In Rahmen der Kampagne „Wir sind gekommen um zu bleiben“ des ver.di-Bezirks Düsseldorf, haben wir Ende 2014 das Gespräch mit der Geschäftsführung der Rheinbahn gesucht. In diesen, manchmal nicht einfachen Gesprächen, gelang es uns, deutlich zu machen, dass die gesetzliche Probezeit von sechs Monaten ausreichen müsste, um eine angehende Fahrer/innen von Straßenbahnen und Bussen auf ihre Eignung zu prüfen. Im Frühjahr 2015 konnte eine Einigung erzielt werden. Die von ver.di angestoßene Diskussion führte zur Entscheidung, die zweijährige Befristung durch die gesetzliche Probezeit von sechs Monaten abzulösen. Bis Oktober wurden alle Arbeitsverträge schrittweise entfristet. Damit gehört die sachgrundlose Befristung bei der Rheinbahn der Vergangenheit an.

 

Befristung Klaus Schwieca Befristung

Was hat zum Umdenken beim Arbeitgeber geführt?

Uwe David: Der Arbeitsdirektor der Rheinbahn, Klaus Klar, hat es einmal so beschrieben: Wir wollen als Nahverkehrsunternehmen für die Bürger ein verlässlicher Partner sein. Dann ist es nur logisch, auch gegenüber unseren Beschäftigten ebenfalls ein verlässlicher Partner zu sein.

Wie haben die Fahrerinnen und Fahrer auf diese Einigung reagiert?

Uwe David: Die sachgrundlose Befristung beinhaltet ja nicht nur die Unsicherheit, den Arbeitsplatz jederzeit verlieren zu können. Manch ein Kollege bekam von der Bank keinen Kredit oder hatte Schwierigkeiten einen Mietvertrag zu unterschreiben, da er sich nicht in einem festen Arbeitsverhältnis befand. Damit ist jetzt Schluss. Uns erreichen im Betriebsrat immer wieder Rückmeldungen von Kolleginnen und Kollegen, die unendlich froh sind, nun in einem normalen, unbefristeten Arbeitsverhältnis zu arbeiten.

Und die neue Regelung hat noch eine weitere Auswirkung: Es bewerben sich Menschen auf Stellen bei der Rheinbahn, die, würde es noch die sachgrundlose Befristung geben, dies nie getan hätten, da sie sich noch in einem unbefristeten Vertrag befinden. Das heißt für das Unternehmen, die Auswahl an geeigneten BewerberInnen ist deutlich größer geworden.