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Kita-Beschäftigte: Schutzlos, ohnmächtig und ignoriert!

Brief an Ministerpräsident Laschet

Kita-Beschäftigte: Schutzlos, ohnmächtig und ignoriert!

Notbetreuung in Kitas gefordert ver.di NRW mit Canva

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

die Situation in nordrhein-westfälischen Kindertageseinrichtungen ist dramatisch. Die Entscheidung der Landesregierung in Nordrhein-Westfalen, einen Sonder-weg einzuschlagen und den bundesweiten Beschluss zu Kita-Schließungen zu ignorieren, lösen bei den Beschäftigten große Verärgerung aus.

Neben der Widersprüchlichkeit der Maßnahmen gibt es keine Hinweise, dass sich das Virus im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen an-ders verhält als anderswo. Die Befürchtung, dass dieser Sonderweg jetzt bis 14.02.2021 fortgesetzt wird, hat sich nun leider bestätigt.

Mit diesem Schreiben wollen wir der großen Sorge unserer Beschäftigten Aus-druck verleihen und fordern die Reduzierung des Kita-Betriebs ausschließlich für Kinder, die die Kita zwingend brauchen. Hier die Gründe für diese Forderung:
Hohe Gefahr einer Ansteckung für Beschäftigte durch fehlende Schutzmöglich-keiten beim Sprechen, Umarmen und Knuddeln: Dilemma zwischen Kontaktver-meidung und direktem Körperkontakt bei der Arbeit mit Vorschulkindern.
Steigende Bedrohung durch das Virus für Leib und Leben wird täglich in den Me-dien dokumentiert: Beängstigende Infektionsentwicklung, eine superaggressive Virusmutation, Kinder 6 Mal so ansteckend (Helmholtz-Studie vom 29.10.2020) und die AOK stellt fest, dass vor allem Erzieher*innen wegen Covid-19 erkranken (13.01.2021).

Während die Gesellschaft über FFP2 – Masken im öffentlichen Raum diskutiert, wird das Personal in den Kitas täglich dem Ansteckungsrisiko durch den direkten Kontakt mit vielen Kindern ausgesetzt.
Der von der Landesregierung eingeschlagene Sonderweg des „eingeschränkten Pandemiebetriebes“ ignoriert die Interessen der Beschäftigten und gefährdet deren Gesundheit, weil zu viele Kinder die Kita besuchen und Hygienevorschrif-ten dann nicht mehr eingehalten werden können.

Hintergrund:

  1. Mit dem Elternappell wälzt das Land die Verantwortung, welches Kind zur Kita kommen kann, auf die Eltern ab, macht die Anzahl der Kinder für den Betrieb unkalkulierbar, verhindert Personalplanung und entzieht den Beschäftigten die Mitsprache.
    2. Die Einhaltung des Kindeswohls kann nur mit einem regulierten Zugang zur Kita für bestimmte Kinder gelingen und nicht auf Basis von Freiwilligkeit.
    3. Feste Gruppen und fest zugeordnete Räumlichkeiten sind wegen Personal- und Raummangels häufig nicht umsetzbar.
    4. Die Reduzierung des Betreuungsumfanges für jedes Kind um 10 Stunden ist eine „kann-Regelung“ und erreicht nur in wenigen Fällen Personalentlastung.

Das Personal in den Kitas sieht sich von der Landesregierung im Stich gelassen und ihrer Mitsprache beraubt. Die individuelle Gefährdung ist größer geworden. Der Schutz durch Landesregierung und Träger hat im Vergleich zum letzten Jahr massiv abgenommen. Die andauernde Überlastung gefährdet die körperliche und vor allem die psychische Unversehrtheit unserer Beschäftigten in den Kinderta-geseinrichtungen. Sie sind dem Virus schutzlos ausgesetzt, obwohl durch die Landesregierung bessere Rahmenbedingungen geschaffen werden könnten.

Bei ver.di NRW sind mehr als 30.000 pädagogische Fachkräfte sowie weitere Kita-Beschäftigte organisiert, die wie viele andere Berufsgruppen ihre Tätigkeit mit hoher Verantwortung und großem Engagement für die Kinder ausüben. Hier unsere Forderungen:
- Kita-Schließung mit Notbetreuung aufgrund von AG-Nachweisen
- Am Infektionsgeschehen orientierter Gesundheitsschutz (Reaktionsstufenplan)
- Vorrangige Impfung des Kitapersonals
- Schutz der Risikogruppen
- Revision der Gefährdungsbeurteilungen

Wir appellieren an Sie als Ministerpräsident, eine landesweite Regelung einzu-führen, um so vielen Kindern wie nötig den Zugang zur Kita zu ermöglichen und so wenig Beschäftigte wie nötig dem Ansteckungsrisiko in der Kita auszusetzen. Ihre Fürsorgepflicht als Landesvater gilt auch Kita-Beschäftigten gegenüber. Vie-le davon sind gleichzeitig Eltern! Solange eine sogenannte „Betreuungsgarantie“ auf dem Rücken der Beschäftigten und auf Kosten ihrer Gesundheit ausgetragen wird, ist dies ein falsches Versprechen an die Bevölkerung und muss deshalb verworfen werden.

Aus unserer Sicht ist jetzt eine schnelle Entscheidung Ihrerseits gefragt, um zu-mutbare Rahmenbedingungen für die Beschäftigten in den Kitas zu erreichen.

Gabriele Schmidt (Landesbezirksleiterin) und Sabine Uhlenkott (Landesfachbereichsleiterin Gemeinden)