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Beschäftigte am Limit - Offener Brief an Minister Stamp: ver.di NRW fordert Entlastung für Kitas und OGSen

06.11.2020

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hat sich heute (6. November) in einem offenen Brief an Familienminister Stamp gewandt, auf die kritische Situation der Kita- und OGS-Beschäftigten hingewiesen und dringende Gegenmaßnahmen gefordert. Die aktuellen Infektionszahlen würden gemeinsam mit bestehenden Personalengpässen zu einer Überlastungssituation führen, die nur gelöst werden könne, wenn der Regelbetrieb eingeschränkt und Programme wie Alltagshelfer*innen ausgeweitet würden.

„Die permanente Schutzlosigkeit, der die Beschäftigen ausgesetzt sind, geht zunehmend mit dem Gefühl der Ohnmacht einher und verwandelt sich inzwischen in Unverständnis, Wut und Ärger. Die Umstellung der Kindertageseinrichtungen und Schulen auf den „Regelbetrieb“ sowie die aktuelle Pandemieentwicklung stellt die Beschäftigten vor unlösbare organisatorische Probleme und führt zur Überschreitung ihrer Belastungsgrenzen. Mit dem zur Verfügung stehenden Personal ist es faktisch unmöglich, den Betrieb der Einrichtungen aufrechtzuerhalten“, erklärte Landesbezirksleiterin Gabriele Schmidt am Freitag.

„Die Grenzen der Frusttoleranz sind bald erreicht, da im jetzigen Arbeitsalltag mit Kindern zahlreiche Problemsituationen auftreten“, so Schmidt. Es gäbe kaum Möglichkeiten entsprechend der Coronavorschriften zu lüften, weil Kleinkinder gewickelt werden müssten und die Erkältungsgefahr zu hoch ist. Belüftungsampeln seien unzureichend vorhanden. Kinder, deren Geschwister in Quarantäne seien, dürften das Angebot trotzdem wahrnehmen. Feste Gruppen, die wichtig für den Infektionsschutz wären, könnten wegen des Personalmangels erst gar nicht umgesetzt werden. Außerdem fehle es erneut an Hygienematerial.

Obwohl einige Eltern und andere Besucherinnen und Besucher die Maskenpflicht nicht einhielten, gäbe es keine Sanktionsmittel. Die Corona-Regeln müssten von den Beschäftigten eingefordert werden: „Dies kann zu kräftezehrenden Diskussionen führen“, so die Landesbezirksleiterin. Gleichzeitig würden Kita- und OGS-Beschäftigte im Privaten ausgegrenzt, weil sie in Einrichtungen arbeiteten, in der Infektionsschutz nicht eingehalten werden könne. „Regelöffnungszeiten sind vom vorhandenen Personal nicht mehr zu stemmen. Früh- und Spätdienste abzudecken oder die Betreuung von Schlaf- und Wachkindern durch eine pädagogische Kraft zu garantieren, wenn Personal fehlt, ist unmöglich. Hinzukommen gruppen- und einrichtungsübergreifende Vertretungen, die das Infektionsrisiko erhöhen“, so Schmidt weiter.

Da es kurzfristig nicht möglich sei, bis zu 20.000 Erzieherinnen und Erzieher einzustellen, müsse aus Sicht der Gewerkschaft das Angebot in Kitas und OGSen eingeschränkt werden. Eine Möglichkeit sei die Ausweitung des Programms „Alltagshelfer*innen“, mit dem kurzfristig zusätzliche Kräfte für Tätigkeiten im nicht-pädagogischen Bereich gefunden werden könnten, um die Fachkräfte hier zu entlasten, so die Fachbereichsleiterin Gemeinden, Sabine Uhlenkott. Diese Unterstützung fehle im Offenen Ganztag bisher komplett. Außerdem müssten Maßnahmen zu Arbeits- und Gesundheitsschutz ausgebaut und weitere Schutzmaterialen zur Verfügung gestellt werden.

„Eine Betreuungsgarantie für alle Kinder ist wegen des offensichtlichen Personalmangels nicht einzuhalten. Wir müssen jetzt Personal entlasten, für die Zukunft gewinnen und aufbauen. Denjenigen Kindern, die besondere Bedarfe haben, soll das Angebot weiterhin uneingeschränkt zur Verfügung stehen. Anderenfalls wird das System zusammenbrechen“, ergänzte Uhlenkott. 

Hinweis für die Redaktionen:

Den offenen Brief finden Sie zum Download bereitgestellt.

Kontakt:

Marlene Seckler, Gewerkschaftssekretärin im Fachbereich Gemeinden, 0151 12505645

Pressekontakt

Lisa Isabell Wiese Pressesprecherin
ver.di NRW
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