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Der Fachkräfte-Engpass spitzt sich zu: Hilfskräfte sind kein …

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Der Fachkräfte-Engpass spitzt sich zu: Hilfskräfte sind kein Allheilmittel - ver.di NRW fordert umfassende Ausbildungsvergütung

24.06.2020

Die Auswirkungen der Corona-Krise verschlimmern die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in den nordrhein-westfälischen Kitas zusätzlich. Der Anspruch auf frühkindliche Bildung in NRW ist trotz des hohen Engagements kaum umsetzbar, da Fachkräftemangel und neue Aufgaben zur Einhaltung des Hygienekonzepts dazu führen, dass die Kinder derzeit oft nur beaufsichtigt werden können. ver.di befürchtet, dass sich die Situation zu Beginn des neuen Kitajahres aufgrund des ungelösten Fachkräftemangels noch weiter verschlechtern wird. Vorschläge zur Entlastung beinhalten häufig Hilfskräfte-Konzepte, die aus Sicht der Gewerkschaft nicht den gewünschten Effekt erzielen. Es müsse nachhaltig gedacht und mit einer Kampagne offensiv Fachkräftewerbung betrieben werden.

„Hilfskräfte können dann Entlastung bringen, wenn sie Nebentätigkeiten übernehmen und es dem pädagogischen Fachpersonal ermöglichen, sich auf die Bildungsarbeit zu konzentrieren. Das ist aber kein ausreichendes Konzept für die Zukunft. Je nach Kenntnisstand der Hilfskräfte muss viel Zeit investiert werden, um die Kolleginnen und Kollegen einzuarbeiten. Zeit, die während der Krise sowieso kaum vorhanden ist. Außerdem stellt sich hier die Frage: Was passiert nach der Pandemie, wenn wir jetzt in Krisenzeiten auf Hilfskräfte setzen? Aus unserer Sicht kann die Situation nur dauerhaft verbessert werden, wenn der Beruf des Erziehers oder der Erzieherin aufgewertet wird,“ erklärte Gabriele Schmidt, Landesleiterin ver.di NRW. Für viele sei diese Ausbildung schon deshalb nicht attraktiv, weil in vielen Fällen der schulische Teil nicht vergütet würde. Erst im praktischen Teil erhielten einige Beschäftigte ein Entgelt. Leider hauptsächlich dort, wo die Tarifverträge des öffentlichen Dienstes zur Anwendung kommen. Deshalb müsse es eine Ausbildungsvergütung vom ersten Tag der Ausbildung an geben, damit sich auch junge Menschen für diesen Beruf entscheiden.

In NRW arbeiten rund 120.000 pädagogische Fachkräfte in den Kitas und in der Verwaltung. Unzureichende Arbeitsbedingungen sorgen dafür, dass viele Erzieherinnen und Erzieher wegen verminderter Erwerbsfähigkeit frühzeitig aus dem Beruf ausscheiden. Außerdem arbeiten rund 53 Prozent der Fachkräfte aufgrund der Personalbemessung durch den Arbeitgeber nur in Teilzeit. Ausfälle durch Urlaub oder Krankheit verschärfen die Lage zusätzlich. „Durch den Renteneintritt der geburtenstarken Jahrgänge wird sich die Situation noch verschärfen. Rund 18 Prozent der Beschäftigten treten dann in den Ruhestand. Während das Angebot an Kita-Plätzen in den letzten Jahren um rund 20 Prozent erhöht wurde, ist nichts getan worden, um dem Bedarf an Fachkräften nachzukommen“, so Gabriele Schmidt. Um das Berufsbild attraktiver zu machen, bräuchte es dringend bessere Arbeitsbedingungen und eine durchgehend vergütete Ausbildung. Die einzige Ausnahme bietet aktuell die Praxisintegrierte Ausbildung (PIA). Hier werden die letzten drei Jahre der Ausbildung tariflich entgolten.

„Diese Systematik brauchen wir für alle fachschulischen Ausbildungen in diesem Bereich, wenn wir die Kolleginnen und Kollegen nachhaltig entlasten und den Fokus auf frühkindliche Bildung setzen wollen“, mahnte Schmidt abschließend.

Kontakt:

0151-12505645

Marlene Seckler | Fachbereich Gemeinden | für die kommunalen Kitas

Serdar Agit Boztemur | Fachbereich Gesundheit und Soziales | für die freien Träger

Pressekontakt

Lisa Isabell Wiese Pressesprecherin
ver.di Landesbezirk NRW
0211.61 824-110 lisa-isabell.wiese@verdi.de
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