Landesbezirk Nordrhein-Westfalen

Unternehmerpraktiken „stinken zum Himmel“

Branchenkonferenz Einzelhandel NRW:

Unternehmerpraktiken „stinken zum Himmel“

Allgemeinverbindliche Tarifverträge werden in Frage gestellt/Tarifflucht auf der Tagesordnung
Branchenkonferenz Einzelhandel Dietrich Hackenberg Branchenkonferenz Einzelhandel

Über die wachsende Tarifflucht großer Konzerne, Aufspaltung von Unternehmen bis zur Unkenntlichkeit und zunehmendes Unterlaufen der betrieblichen Mitbestimmung in der Einzelhandelsbranche mit rund drei Millionen Beschäftigten haben 250 Betriebsräte des nordrhein-westfälischen Einzelhandels am 12. September in Oberhausen diskutiert. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles, die an der Konferenz teilnahm, erklärte, derartige Unternehmenspraktiken würden „zum Himmel stinken“.

Dies bestätigten auch Betriebsräte aus dem NRW-Einzelhandel, deren Unternehmen entweder gar keinen Tarifvertrag anwenden bzw. sich aus der Tarifbindung des Arbeitsgeberverbandes verabschiedet haben. Zurzeit seinen nur noch 53 Prozent der Beschäftigten in Unternehmen angestellt, die unter die Tarifbindung eines Tarifvertrages fallen. Mit drastischen Auswirkungen für die Beschäftigten. So erhalten die rund 37.000 Beschäftigten des real-Konzerns in diesem Jahr 60 Prozent weniger Weihnachtsgeld und die Gehälter sind nach dem Austritt des Unternehmens aus der Tarifbindung eingefroren. Andere Unternehmen, so wie zum Beispiel der Versandhandel amazon verweigerten selbst Gespräche über einen Tarifvertrag. Dagegen kämpfen die Beschäftigten an. Bisher haben in der Niederlassung Rheinberg 55 Streiktage stattgefunden. Die selbstbewusste Haltung der Kolleginnen und Kollegen: Wir streiken weiter, bis wir einen Tarifvertrag haben.  Unternehmen wie Edeka, verabschieden sich aus der Tarifbindung durch Privatisierung einzelner Filialen. Für die dort Beschäftigten bedeutet dies eine Lohneinbuße von über 6.000 Euro im Jahr und sechs Tage weniger Urlaub.

Branchenkonferenz Einzelhandel Dietrich Hackenberg Branchenkonferenz Einzelhandel  – Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles

„Allgemeinverbindlichkeit“ zum Regelfall machen

Bundesarbeitsministerin Nahles kündigte an, gegen derartige Methoden der Arbeitgeber vorzugehen. Ziel sei es, die Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen wieder zum „Regelfall“ zu machen. Darüber hinaus kündigte sie an, noch im Herbst einen Gesetzentwurf auf den Weg zu bringen, der Teilzeitbeschäftigten die Rückkehr auf eine Vollzeitstelle zu ermöglicht. Zudem sei eine Reform des Betriebsverfassungsgesetzes ein Gebot der Stunde. Ministerin Nahles: „Eine funktionierende Mitbestimmung ist die Grundvoraussetzung für den sozialen Frieden in unserem Land“.

Ver.di-Landesleiterin Gabriele Schmidt erklärte, dass Tarifverträge der beste Schutz vor Altersarmut seien „Den braucht der Handel schnell. Und er muss für alle gelten. Ausnahmslos“, so die Gewerkschafterin.

Hier geht es zur Bildergalerie von Dietrich Hackenberg:

http://blog.lichtbild.org/bildgalerie/folgen-der-tarifflucht-und-unternehmensaufspaltung/2016/09/

Hier geht es zu einem stimmungsvollen Video von der Konferenz:

https://www.youtube.com/watch?v=unO3eHl1vtk&feature=youtu.be